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CO2-Emission Bahn vs. Elektroauto

GELÖST
Martin7
Neuer Autor

Ich habe am Bahnhof ein Plakat der SBB gesehen, auf dem behauptet wird: "Zug gegenüber e-Auto: 90% CO2 eingespart".

Laut Nachhaltigkeitsbericht braucht die SBB 11.86 kWh/100 pkm. Das Schweizer Durchschnittselektroauto braucht 19 kWh/100 km, und Autos sind angeblich durchschnittlich mit 1.6 Personen besetzt, also mit 19/1.6 = 11.88 kWh/100 pkm praktisch dasselbe Resultat wie beim Zug. 

Kann mir jemand erklären wie die SBB auf -90% CO2 kommt?

 

 

1 AKZEPTIERTE LÖSUNG
Ex-Bähnler
Vielfahrer/in (Silber)
7 ANTWORTEN
11407
Reisende/r (Platin)

Solche Berechnungen sind sehr schwierig fair durchzuführen. Die Daten stammen von mobitool.ch und die geben sich Mühe, fair zu sein. Es wird die Energie für Herstellung, Wartung und Entsorgung der Fahrzeuge einberechnet. Bei der Bahn rechnet man korrekt mit 30% Auslastung. Beim Auto wird die Strasseninfrastruktur einberechnet.

Damit beantwortet der Wert die Frage "Wie viel Energie würde benötigt, wenn alle Leute mit dem Zug fahren würden (und es deshalb keine Strassen bräuchte)?" und nicht "Was ist der Unterschied, wenn ich heute für 100 km den Zug oder das Auto nehme?"

Geschätzt würde ich sagen, kommt der Zug aber auch bei einem Vergleich ohne Einbezug der Infrastruktur besser weg. Einfach, weil mit einem einmal hergestellten Wagen sehr viele Personenkilometer zurückgelegt werden. Und natürlich, weil der Rollwiderstand auf Schienen sehr niedrig ist. Man kann auf ebener Fläche problemlos von Hand einen Güterwagen ins Rollen bringen, bei einem LKW-Anhänger braucht es mehrere Personen.

Danke 11407. Ich habe schon von Reto den Hinweis auf die Datengrundlage bekommen, und bei Mobitool selber nachgelesen (Excel-File hier für alle die es interessiert: https://www.mobitool.ch/admin/data/files/tool/tool_file_de/5/mobitool-faktoren-v2.1.xlsm?lm=16130339... ) 

30% Auslastung ist für die Bahn etwas hoch, 28.9 war's 2019, dann kam Corona, und es war 2020 und 2021 nur noch 18% (!)

Der CO2-Ausstoss mit den Mobitool-Faktoren ist in zwei Punkten etwas problematisch: 

- Erstens wird für die SBB mit Bahnstrommix gerechnet, für die Autos wird ein anderer Strommix genommen; das ist unfair, weil Niemand etwas dafür kann, mit welchem Strom gefahren wird (das e-Auto ist nur auf dem Papier sauberer wenn man Ökostrom kauft... und wenn die SBB Strom verschwendet (ob 22 Grad in den Zügen, immer noch FL-Röhren statt LED an vielen Bahnhofperrons etc), so fehlt der dann in regulären Stromnetz und kommt dort von dreckigeren Quellen..). 

- Zweitens sind Zahlen für e-Autos die heute pulbiziert werden schon veraltet, denn sie basieren auf Daten die vor Monaten oder Jahren erhoben wurden, und als diese Daten erhoben wurden, wurden natürlich Daten der Jahre zuvor erhoben. Bei einer Technologie, die sich rasant entwickelt, ist man so schnell weit daneben. 

Ich bin ins verlinkte Excel-Sheet eingetaucht, da wird konkret gesagt: Bahn CH Durchschnitt 7.1 g CO2/pkm, e-Auto mit Ökostrom 75 g CO2/pkm. e-Auto mit Ökostrom ist Unsinn wie oben geschrieben, aber damit werden die beiden Strommixe vergleichbar. Beim e-Auto kommen die 75 g CO2/pkm hauptsächlich von Fahrzeugherstellung- und Entsorgung (54 g/pkm). Der Betrieb ist dagegen fast vernachlässigbar (6g/pkm). Also stellt sich hauptsächlich die Frage, ob diese 54 g/pkm noch aktuell sind. Transport & Environment hat beispielsweise Gesamtemissionen von 45 g/km (nicht pkm, das gäbe mit 1.6 Personen dann nur noch 28 g/pkm...) wenn das e-Auto mit Solarstrom betrieben wird. Interessant wäre auch ein Vergleich mit herkömmlicher Li:Ionen Batterie vs LFP - ich finde auf die Schnelle ca. 20% weniger für LFP).

Also zusammenfassend kann man sicher sagen "es ist kompliziert" 🙂

 

Ex-Bähnler
Vielfahrer/in (Silber)

Hallo @Martin7 

Zudem ist das CO2 nur ein (kleiner?) Teil der Umwelbilanz. Es fehlen die Herstellung, Transport, Lebensdauer, Entsorgung  der Fahrzeuge, der Flächenverbrauch der gesamten Infrstruktur und noch vieles mehr.

Jeder findet in der Menge dieser Daten diejnigen Zahlen, die der eigenen Anschauung recht geben. Es geht ja auch nicht um entweder-oder um den möglichst sinn- und massvollen Einsatz der Verkehrsmittel: Die Züge müssten möglichst voll sein, denn sie fahren nach einem Pflichtfahrplan. Die Anzahl Autokilometer müssten möglichst gering sein - egal mit welchem Motor. 

Gruss, Reto

 

Genau - und genau darum bin ich solchen Vergleichen gegenüber eher skeptisch eingestellt - es kommt immer auf die spezielle Situation an, welches Beförderungsmittel (egal ob Personen oder Güter) jetzt am sinnvollsten ist... und da scheiden sich die Geister. 

Ex-Bähnler
Vielfahrer/in (Silber)

Danke Reto, das erklärt die Behauptung auf dem Plakat!

 

SBB-Kunde
Pendler/in

Ach - diese Milchmädchenrechnungen sind doch so nichtssagend - sie wollen alles beweisen und sagen doch nichts aus...  egal von welcher Seite ! ... aber sie sind scheinbar trendy !