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Graffiti Entfernung: Filigrane Handarbeit statt Hochdruck-Reinigung

NadineM
Reisende/r (Platin)

160829_Graffiti_1200x675.jpgDrei Graffitis, jedes so lang wie ein halber Waggon, ziehen langsam an Giuseppe Renda und Hamid Khatir vorbei. Die Sprayereien müssen so schnell wie möglich entfernt werden.

In der Herdern wird Tag und Nacht gearbeitet. Giuseppe und Hamid lösen um 8:15 Uhr die Nachtschicht ab. Die beiden Graffiti-Experten begutachten kritisch ihre Tagesaufgabe. Alle drei Bilder müssen von den Waggons entfernt werden. Im Kampf gegen die hartnäckigen Farben hilft den zwei ihre langjährige Erfahrung. Giuseppe entfernt schon seit 20 Jahren Graffitis von Zug Aussenseiten. Hamid ist seit drei Jahren dabei. Giuseppe: «Ich habe schon mehrere Tausend Schmierereien von den Zügen gewaschen.»

Graffitis, so denkt man, können heutzutage mühelos mit einem Hochdruck-Reiniger von den Fassaden gewaschen werden. Auf Aussenseiten von Zügen ist die Reinigung jedoch viel komplexer als auf Wänden. Werden stark ätzende Mittel oder Hochdruckreiniger eingesetzt, beschädigt das den Zug-Lack und die Fenster. «Deshalb ist Handarbeit gefragt», meint Hamid und zieht demonstrativ Bürsten, Schaber und Schläuche aus einem Putzwagen.

160829_Graffiti_3_1200x675.jpgDie Farbe ist dick. Sie wurde mehrschichtig aufgetragen und durch das enthaltene Schwermetall, lässt sie sich nur schwer entfernen. Giuseppe bereitet das Lösungsmittel auf und streicht die Flüssigkeit mit einem Besen grosszügig über die Sprayerei. Das Material muss einige Minuten einwirken, danach geht es der ersten Farbschicht an den Kragen. Hamid und Giuseppe schnappen sich ihre Bürsten und scheuern grüne, violette und schwarze Schlacken vom Zug. Die ersten Schweissperlen bilden sich auf ihrer Stirn. Doch die Farbe haftet gut, und schon nach wenigen Minuten lösen sich keine Stoffe mehr vom Zug. Und so beginnt das Spiel von Neuem. Hamid spült die Farbreste mit einem Wasserschlauch vom Zug und mischt neues Lösungsmittel an.

160829_Graffiti_4_1200x675.jpgSchicht für Schicht löst sich das Graffiti vom Zug. Hamid und Giuseppe arbeiten sich zum Waggonende vor. Jetzt ist Feinarbeit gefragt. Die technischen Beschriftungen auf der Aussenseite müssen –genau wie der Lack – erhalten bleiben. Giuseppe schnappt sich einen kleinen Schaber und schnitzt im Stil eines Stuckateurs langsam und genau die Farbe von den einzelnen Buchstaben.

Endlich verschwindet auch das letzte Graffiti vom Waggon und der Arbeitstag unsers Duos neigt sich langsam dem Ende zu. Fast neun Stunden hat das Team gebraucht, bis die Züge in neuem, altem Glanz erstrahlen. «Ich bin geschafft», meint Hamid. «Genau», ergänzt Giuseppe, «ich hoffe, zu Hause muss nicht auch noch geputzt werden». Mit einem Lachen verabschieden sie sich in den wohlverdienten Feierabend. Als Hamid und Giuseppe die grosse Halle verlassen, fährt schon der nächste verschmierte Zug ein.

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