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Was ist eine Stellwerkstörung?

MartinaM
Reisende/r (Gold)
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Eine Stellwerkstörung kann vieles sein – das Gemeinsame ist jedoch, dass es Ereignisse sind, die mit Sicherungsanlagen wie beispielsweise Signalen, Weichensteuerungen oder Bahnübergängen zu tun haben. Begrifflich etwas eigenartig ist, dass meistens nicht die Stellwerke betroffen sind, sondern ein Streckenabschnitt.

stellwerkstoerung_BZ.jpg

Bestes Beispiel ist die so genannte «Gleisfreimeldestörung»: Weit und breit ist kein Zug auf den Schienen unterwegs und dennoch meldet ein Streckenabschnitt, dass er belegt ist.

Daneben gibt es noch weitere Gründe für Störungen, etwa defekte Lampen von Signalen oder Barrieren sowie Weichen mit unklarer Stellung. Treten die Störungen an neuralgischen Stellen im SBB Netz auf, können sie den Zugverkehr stark beeinträchtigen. Zur Erinnerung: Die Schweiz hat den weltweit dichtesten Fahrplan, mit dem am stärksten belegten und beanspruchten Schienennetz.

Aus all diesen Gründen und da wie erwähnt, das Stellwerk selbst in den wenigsten Fällen der Verursacher ist, wird seit Dezember 2015 in den Durchsagen die Formulierung «Technische Störung an Bahnanlagen»verwendet.

200 000 Schaltungen für eine Fahrt.

Auch ich ärgere mich, wenn ich höre: «Geschätzte Fahrgäste, wegen einer Stellwerkstörung verzögert sich unsere Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit.» Dennoch bitte ich hier um Verständnis und erkläre gerne den Hintergrund: Ein Zug von Bern nach Zürich passiert auf seinem Weg rund 500 Weichen und 140 Signale – allesamt müssen richtig eingestellt sein. Damit die Reisenden sicher und pünktlich von A nach B kommen, müssen zudem nicht weniger als 200 000 Schaltungen (oder: Relaiskontakte) entlang der Strecke fehlerfrei funktionieren. Wenn wir das hochrechnen, so sind das täglich 500 Millionen Schaltungenoder pro Sekunde deren 6000. Pro Tag kommt es auf dem SBB Netz im Schnitt zu 17 Störungen, vor acht Jahren waren es noch ein Drittel mehr.

Grafik Bahntechnik und Sicherungsanlagen (Quelle: via 2/2013) .Grafik Bahntechnik und Sicherungsanlagen (Quelle: via 2/2013) .

 

Behebung von Störungen.

Stellt sich die Frage: Was tun die rund 450 SBB Sicherungsanlagen-Techniker/-innen, wenn beispielsweise die Weiche 114 auf besagter Strecke nicht mehr funktioniert und im Zug hunderte Reisende auf ihre Weiterfahrt warten? Zuerst wird der entsprechende Abschnitt automatisch gesperrt, die Signale bleiben rot. Dann versuchen die zuständigen Mitarbeitenden in der Zugverkehrsleitung die Weiche per Mausklick zu stellen – ein eingeklemmter Stein liesse sich womöglich durch hin- und herbewegen lösen.

Schaffen sie es nicht, muss eine Technikerin oder Techniker kontaktiert werden. Diese müssen binnen einer halben Stunde vor Ort sein und dort so rasch wie möglich die Störungsursache finden. Hat sich etwas verklemmt? Fehlt es der Weiche an Schmiermittel? Im Winter: Läuft die Weichenheizung nicht? Manchmal ist ein Staubkorn die Ursache, welches den Kontakt zwischen den Plättchen verhindert. Mit der Folge, dass kein Strom fliesst und die Weiche nicht gestellt werden kann.

Fahrgastrechte.

Während die Störung behoben wird, suchen wir hinter den Kulissen rasch nach Lösungen, wie die Reisenden trotzdem so rasch wie möglich an ihr Ziel kommen können. Dass dies nicht immer einfach ist und nicht immer eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann, liegt auf der Hand. Die SBB verteilt deshalb den Kundinnen und Kunden bei Verspätungen im nationalen Fernverkehr ab 60 Minuten so genannte Rail Checks «Sorry» (10 Franken in der 2. Klasse bzw. 15 Franken in der 1. Klasse).

Und wenn alle Stricke reissen und auch der fahrplanmässig letzte mögliche Zug verpasst ist, organisiert und bezahlt die SBB eine Hotelübernachtung oder Taxifahrt. Mehr dazu erfährst du unter den Fahrgastrechten.

Weiterführende Links.

 

 

Dieser Beitrag erschien erstmalig auf dem Corporate Blog SBB Stories. Autor: Beat Bolliger